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Gerlinde Unverzagt
Geschrieben: Thursday, September 13, 2007 4:17:32 PM
Rang: Gast
Gruppen: Gast

Beiträge: 1,124

Liebe Leser,

Die tagesaktuell wirklich brennend wichtige Frage, ob Eva Herman tatsächlich vom braunen Affen gebissen wurde oder sich nur unglücklich ausgedrückt hat, als sie den Müttergekreuzigten der Nazizeit und ihrem Familienleben posthum ein gewisses Heilsversprechen für unsere moderne Unordentlichkeit in diesen Dingen abgewinnen konnte, ist nicht wirklich neu und gleicht in gefühlter Mentaltemperatur dem Argument, dass Hitler natürlich ein Verbrecher, seine Autobahnen aber doch ganz praktisch und überdies ein Segen für das Heer der unbeschäftigten Autobahnbauer gewesen seien, die von der ersten Demokratie in Deutschland beschäftigungslos gelassen wurden. Was aber noch wichtiger brennen könnte, sobald sich der erste Rauch verzogen hat, ist die Frage, warum die gute Frau so viel Erfolg haben konnte mit ihrer privaten Reue- und Frustnummer, die sie dann zum Prinzip adelte.

Warum empfanden so viele Frauen, dass ihnen nun einmal aus dem Herzen, diesem einsamen und unberechenbaren Ort im Busen eines jeden weiblichen und mutmaßlich auch männlichen Wesens gesprochen werde? Weil so viel Rede davon war, dass man sich überfordert fühle von der Aufgabe Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. Ist ja auch wahr: all das Gerenne und Gehetze zwischen Baby, Buggy und Büro und Beruf ließ uns wenig Zeit, mit zart ordnender Hand durch die Kinderzimmer zu streifen, endlich die Blumen auf dem Balkon umzutopfen, die Gardinen zu waschen und Trockenblumensträuße auf glänzenden Tischplatten zu arrangieren. Abends zuerst an der Bettkante die Gedanken der Kinder und hinterher die Wohnung aufzuräumen, den Mann auf dem Sofa zu fragen, wie sein Tag war und Listen ersinnen, um dann, wenn alle schlafen, noch den liegengebliebenen Rest aus dem Büro abzuarbeiten. Für all das bekanntlich nie das kleinste Dankeschön, außer den Tagen, die alle Mütter am ersten Maiwochenende haben. Dann gibt´s Blumen. Vielleicht. Und in der Zeit dazwischen hört nur der Pudding mein Seufzen.

Wir kriegen einfach zu wenig Anerkennung und weil das so ist, springen wir auch auf den Zug, wenn er von der falschen Seite kommt. Wahrscheinlich müssen wir auch das noch selbst machen, das mit der Anerkennung und dem Respekt vor unserer Leistung. Ach ja, vier Männer und ein Kind, das muss schon hart sein, wenn man im Rückblick nun jeden ungebackenen Apfelkuchen, unarrangierten Blumenstrauß und jede unweibliche Regung in Richtung Beruf und Geldverdienen nachweint. Vier Kinder und ein Mann und ein Beruf obendrein sind da doch viel lustiger – auch weil man schließlich nur bereut, was man nicht gemacht hat.

Also Eva, schönen Gruß von Desiree Nick: stay home.

Gerlinde Unverzagt

Kasimba
Geschrieben: Saturday, September 22, 2007 6:05:06 PM
Rang: Gast
Gruppen: Gast

Beiträge: 1,124
Liebe Frau Unvezagt, Ihre zentrale Frage in Ihrem Beitrag hinsichtlich der Aussagen von "Eva" : [b]Warum empfanden so viele Frauen, dass ihnen nun einmal aus dem Herzen, diesem einsamen und unberechenbaren Ort im Busen eines jeden weiblichen und mutmaßlich auch männlichen Wesens gesprochen werde?[/b] Mein persönliches Empfinden ist, dass dies mit dem ureigensten Wunsch einer fast jeden Mutter zusammenhängt, für ihre Kinder dasein zu wollen, ihnen einfach narurgegeben so nahe sein zu können, wie die kleinen Kinderseelen es benötigen, welchem neben der ganzen Debatte um Chancengleichheit für Frauen / Müttern in Karriere und Beruf und dem ganzen Emanzipationsgetöse aber leider kaum Rechnung getragen wird. Natürlich wollen wir Frauen und Mütter uns nicht stets lieblich und über alle Maße milde lächelnd, mit dem Orden "Selbstlos" an der familienorientierten Mutterbrust, lediglich auf Erfüllung innerhalb von Kinderberteuung, dreckigen Socken, Kuchenbacken und das geschickte platzieren von Blumensträußen innerhalb der eigenen 4 Wände beschränken lassen. Selbstverständlich streben wir auch nach Erfüllung in anderen gesellschaftlichen Bereichen, haben Anspruch darauf und es ist gut und war lange überfällig, dass dies inzwischen sogar mehr oder weniger in zunehmendem Maße gesellschaftlich akzeptiert zu werden scheint. [b]Wir streben daneben aber NATÜRLICH auch noch nach gesellschaftlicher Beachtung unserer mütterlichen Instinkte und Ansprüche.[/b] ... Nur ... wie wird damit umgegangen !? Welche und wieviele Möglichkeiten für Frauen und Mütter gibt es, dem Anspruch in beiden Bereichen (Kinder / Karriere) wirklich gerecht werden zu können !? Wieviele flexibele Teilzeitarbeitsangebote, welche für meine Begriffe hierfür dringend erforderlich wären !? Viel zu wenige !!! Und jeder Treffer ist definitiv eher als großes Glück und nicht die Regel zu bezeichnen. Somit bleibt den Müttern oftmals nur der Weg der Doppelbelastung, oder die Entscheidung für und gegen einen der beiden Bereiche. Das diesem Aspekt, sprich dem Anspruch und dem Wunsch der Frauen neben allem berechtigtem Anderem eben AUCH [b]Mutter[/b] sein dürfen zu wollen, gesellschaftlich so wenig Beachtung, viel zu wenig Bedeutung geschenkt und / oder beigemessen wird, ist unbefriedigend und hat dann leider zur Folge, das solche Schriften wie die von "Eva" so einen unschönen Aufwind bekommen und wieder mal nach steinzeitlichen Familienmodellen gebölkt und vielleicht selbst und gerade von Frauen (!!!) vertreten wird !? Bitter und erschreckend in meinen Augen, wenn es so wäre. Mit freundlichem Gruß Kasimba

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